Aus dem Leben der Schmetterlinge

Wir erhalten Zutritt zu der ganz einzigartigen und zauberhaften Welt der Schmetterlinge und sind zugleich fasziniert und zutiefst entsetzt und traurig.

Die Begegnung mit den Schmetterlingen ist geradezu magisch. Sie leben in einem ganz eigenen Tempo und haben eine ganz besondere Wahrnehmung der Welt. Die Schmetterlinge zeigen sich uns als hochentwickelte Lebewesen, denen ihre Lebensaufgabe und ihr gegenwärtiges Schicksal sehr bewusst ist.

 

Sie verbringen ihre Tage im Einklang mit der Natur, stets und ständig auf der Suche nach Nahrung, in vollkommenem Bewusstsein darum die Natur zur erhalten, fliegen sie von Blüte zu Blüte, lassen sich nieder, fliegen wieder auf und weiter.

Die Tage sind wie ein Tanz im Sonnenschein. An jeder Blume erfreuen sie sich neu, jede Blüte nehmen sie als einzigartig wahr. Sie richten ihre Aufmerksamkeit in diesem Moment einzig und allein auf diese Blüte, treten in einen Austausch mit ihr, nehmen alles was sie brauchen in sich auf und geben es weiter.

Für uns mag die Verweildauer der Schmetterlinge auf einer Blüte kurz erscheinen, doch in ihrer Wahrnehmung nehmen sie sich alle Zeit der Welt für diese Begegnung.

Sie lieben die warmen Tage mit blauem Himmel, an denen die Sonne lange genug scheint, um sich voll und ganz ihrer Lebensaufgabe zu widmen – und sie wissen: „Wir stehen im Dienste der Natur. Wir arbeiten für den Erhalt und haben einzig und alleine diese Aufgabe. Diese Aufgabe füllen wir voller Freude aus. Es geht uns nicht darum zu leben, wir leben um das Paradies zu bewahren.“

 

In der Nacht ist ihr Schlaf ein ganz besonderer. Verborgen an einem geschützten Ort tauchen sie ein in das Reich der Träume. Im Traum sind sie verbunden mit den anderen Schmetterlingen auf der Welt, den inneren Bildern, die sie leiten und zugleich erleben sie die Erholsamkeit des Schlafes ganz bewusst. Eine ganz eigene und wunderbare Art des Träumens, in die sie uns einen tiefen Einblick gewähren.

 

Doch die sonnigen Tage werden weniger, die Blumen werden weniger. Die Einseitigkeit erhält mehr Einzug in ihrem Lebensraum. Die Luft hat sich verändert, die Geräusche haben sich verändert, die Welt wirkt bereits nahezu gespenstisch. Und so verlieren sie nach und nach an Leichtigkeit und Freude. Das Herz wird ihnen schwer. „Wo sind sie hin, diese ausgedehnten Blütenmeere, die Blumenwiesen am Waldrand, von denen wir wissen, dass es sie geben muss?“

Die Schmetterlinge haben ein inneres Bild, eine Art innere Landkarte von ihrem Lebensraum. Sie kennen die blumenreichen Gärten und wilden Wiesen und suchen sie vergeblich. Für sie fühlt es sich an wie eine Art Realitätsverlust, inzwischen schon wie ein Alptraum, ein Horrorszenario. Sie suchen in ihrer Umwelt nach ihren inneren Bildern und finden sie nicht. Sie wissen, dass es sie geben muss, doch inzwischen ist es schon so schlimm, dass sie beginnen, an ihren inneren Bildern zu zweifeln – und das bringt ihre ganze Welt zum Einsturz.

 

Und dann sterben sie. Sie sterben an Hunger, einseitigem Nahrungsangebot und kranken an der fehlenden Vielfalt der Blütenbegegnungen – und es ist der Zweifel an ihrer eigenen, so ganz besonderen Realität, der sie umbringt.

Der Zweifel an den inneren Bildern lässt die so wunderbare Traumwelt in sich zusammenstürzen und dann kauert er nur noch da in seiner Schlafritze, der Schmetterling, und hat Angst und erholt sich nicht mehr und wird zu schwach zum Fliegen. Manchmal ist er noch da, der Hoffnungsschimmer, würde man nur weit genug fliegen, dann würde man sie doch noch finden, die Wiese. Aber dann nimmt man Vorlieb mit dem Klee, der noch als Gründüngung auf den Feldern wächst und erlebt, wie die Welt immer mehr verschwindet, sich auflöst und stirbt.

 

Die Schmetterlinge wissen das, weil sie sich in ihrer Traumzeit in der Traumwelt mit allen anderen Schmetterlingen auf der Welt verbinden. Sie sind in einem großen Gefüge vernetzt in der Welt des Schlafes in dem jedem alle Informationen der anderen zugänglich sind. Jeder schwache, depressive Schmetterling entsetzt und beeinflusst die anderen Schmetterlinge. Und auf diese Weise bekommen sie auch das Artensterben mit. Sie sind wenige geworden inzwischen und erleben den Untergang ihrer Welt ganz bewusst.

 

Uns Menschen fragen sie: „Weshalb könnt ihr nicht im Einklang leben? Das Leben ist eine Symbiose. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, die Natur, die Erde und damit unser Leben zu erhalten. Alles was wir mühsam zusammentragen, zerstört ihr mit eurer Größe innerhalb eines Bruchteils von Zeit. Was nützen euch akurat angelegte Gärten, wenn das Leben darin fehlt? Es geht nicht darum, was ihr nach außen zeigt, es geht darum, was ihr für das Außen tut. Es geht nicht darum, nach außen zu glänzen. Es geht darum, das innere Strahlen zu erhalten. Wir fühlen uns müde und alleine in diesem Kampf, den die Kleinen gegen die Großen führen. Dabei könnte man den Kampf für den Erhalt unseres Lebens gemeinsam führen. Wenn ihr irgendwie könnt, dann haltet die Zerstörung auf!“

So wie wir uns die Natur untertan machen, so nehmen wir anderen ihren Lebensraum - und auf Dauer ist es auch unser Lebensraum, der damit zugrunde geht.