Aus dem Leben zweier Ratten

Die beiden sind sehr zahm und neugierig. Sie möchten am Leben teilnehmen, aktiv und nicht passiv, sie gehören dazu. Ratten sind keine Tiere, um die man sich einmal am Tag kurz kümmert, keine Sache für nebenbei.

Sie sind sich vollkommen bewusst, dass sie Lebewesen sind, die Aufmerksamkeit brauchen und dass ihnen diese auch zusteht. Sie fordern ihren Raum, Pflege und Streicheleinheiten ein, weil sie dazugehören. Ratten sind wissbegierig, intelligent und lernfähig. So möchten sie auch wahrgenommen und behandelt werden.

Zugleich wissen sie um ihre Individualität und sind sich ihrer individuellen Bedürfnisse bewusst. Während die eine besonders den Körperkontakt mit ihrem Menschen genießt, wünscht sich der andere vor allem Anregung, Förderung und Bestätigung, möchte Neues lernen und Lob und Anerkennung für seine Leistungen bekommen.

Ratten haben eine andere Zeitspanne als Menschen. Und so bemessen sie Tage und Nächte nicht so wie wir. Für sie gibt es eher Zeiten der Aktivität und der Ruhe, das ist ihr Rhythmus.

Aktivität ist eines ihrer Hauptbedürfnisse, es ist wichtig für sie, dass sie auf vielfältige Art in Bewegung sein können. Sie schicken uns Bilder, wie sie im Käfig, auf Ästen und Menschen, Möbeln und in der Wohnung herumlaufen, klettern, balancieren. Sie sind flink, lieben Vitalität, Akrobatik, Schnelligkeit, Kräftemessen, Spaßhaben und das Leben genießen.

Knabbern ist eine weitere wunderbare Beschäftigung, die beide gemeinsam machen können. Sie zeigen, wie schnell sie knabbern. Diese Schnelligkeit ist ihnen neben dem Genuss ebenfalls ein Vergnügen. Sie lieben einfach in jeder Hinsicht die Abwechslung. Abwechslung beim Futter ist auch eine Form von Bewegung. Und schmackhafte Abwechslung ist eine wunderbare Anregung für den Geist.

Neben der Aktivität ist ihnen die Gesellschaft wichtig. Beide fürchten das Alleinsein. Sie brauchen den Austausch untereinander fast so sehr wie die Luft zum Atmen. Sie führen auf ihre Art Gespräche untereinander, halten Zwiesprache, körperlich und geistig. Diese Kommunikation ist sehr wichtig. Sie hält ihren Geist in Bewegung.

Körper und Geist sind eng miteinander verbunden im Leben einer Ratte. Und so brauchen sie unbedingt geistige Anregung. Auch die Menschen befriedigen dieses Bedürfnis. Menschen sind spannend und interessant und bieten Abwechslung in ihrem Leben. Beide Ratten sind sehr menschenbezogen. Ihr Mensch ist für sie eine besondere Abwechslung. Sie zeigen Bilder, wie sehr sie sich freuen, wenn ihre Halterin heimkommt, wie sie auf sie warten, wenn sie spät dran ist und wie sie darauf brennen aus dem Käfig gelassen und auf ihr herumklettern zu dürfen. Sie genießen die Zuwendung und die Nähe, den Körperkontakt und die Aufmerksamkeit.

Manchmal wundern sie sich, dass wir Menschen zwar offensichtlich Intelligenz besitzen, diese aber nicht immer intelligent benutzen. Das ist schwer für sie zu verstehen. Menschen sehen zum Beispiel Dinge zu ernst, die gar nicht so ernst zu nehmen sind, verstehen vieles gar nicht wirklich oder beschäftigen sich mit Unwichtigem, wirken geistig abwesend oder unbewusst. Menschen bilden keine Einheit von Körper, Geist und Seele in der Vollkommenheit wie die Ratten. Und sind in den Augen der Ratten sehr unbeweglich, körperlich wie geistig. 

„Dennoch gehören wir zu euch. Wir leben mit euch und in eurer Nähe und diese Nähe ist sehr wichtig für uns.“