Aus dem Leben eines Käfers

Er gräbt sich durch die warme, duftende Erde, die durchmischt ist mit Pflanzenresten und bevölkert von Kleinstlebewesen. Sie bietet ihm Schutz und Nahrung. Er kriecht durch kleine, enge Gänge ins Erdreich hinein. Die Wände aus Erde berühren seinen Körper überall, sie sind so schmal, dass er sich gerade so hindurchzwängen kann. Doch er empfindet das nicht als beengend. Für ihn ist es ein wohliges Gefühl, so von der nachgiebigen, feuchten Erde umgeben zu sein, er findet es wunderschön.

Sein Lebensraum am Boden ist tief verbunden mit Mutter Erde. Am Wichtigsten ist ihm seine starke Verbundenheit und Nähe zur Erde, zum Boden. Diese Verbundenheit geht tief ins Innere der Erde, so als wüsste der kleine Käfer ganz genau, wie es in ihr aussieht. Er lebt für diese Erde. Ihren natürlichen Kreislauf zu wahren und aktiv daran mitzuarbeiten macht ihn zu einem glücklichen, erfüllten Arbeitstier. Er lebt im Ausgleich mit der Erde. Nimmt Nahrung auf und gibt der Erde wieder etwas zurück damit sie weiterbestehen kann. Der Kreislauf des Lebens ist ein Geben und Nehmen.

Und so lautet seine Botschaft: Bitte nehmt nicht nur von der Erde, sondern gebt ihr auch wieder etwas zurück. Jeder sollte seinen Beitrag zur Natur leisten in dem Maße in dem er es kann. Und wirklich jeder ist auch dazu fähig der Natur etwas Gutes zu geben. Und wenn ihr mal nicht weiterwisst, dann haltet inne und lauscht den Klängen der Natur.

Denn er selbst hat immer auch Zeit zum Innehalten, Wahrnehmen und Genießen, was ist und was ihn umgibt. Er ruht in sich und seinem Sein und ist eins mit der Natur. Der Käfer mag den Herbst. Er liebt die Feuchtigkeit, die ihm so lange gefehlt hat. Sie benetzt seinen Panzer und weicht den Boden auf. Morgens ist das Gras voller Tau und manchmal setzt er sich im Regen unter ein großes Blatt und betrachtet die herabfallenden Tropfen.

Der Käfer ist zwar flink in seinen Bewegungen, aber er ist auch ein gemütlicher Geselle. Er findet Freude und Entspannung beim ruhigen Ausharren und Beobachten. Er liebt das Leben. Er liebt die Kräfte der Natur. Die Sonnenstrahlen, die den Weg durch die Blätter zum Boden finden. Die Erde, wenn sie feucht und locker ist. Abends, wenn er die kühle Brise der Nacht spürt ist er einfach nur glücklich, dann krabbelt er auf einen erhöhten Punkt und verschmilzt mit der Dunkelheit, saugt die Luft und die Natur in sich auf. Wenn das Konzert der Insekten ertönt, stimmt er mit ein und singt sein Glück und die Erlebnisse des Tages in die Welt hinaus.

Diese Art der Genügsamkeit ist es, die wir vom Käfer lernen können. Höher, schneller, weiter, mehr – das kennt er nicht. Er ist zufrieden, wenn er hat, was er wirklich braucht. Und dann genießt er das Leben und die Natur, die ihn umgibt. Er erfreut sich wirklich an der Natur und den vielen schönen Facetten, die sie ihm bietet. Durch feuchtes Gras krabbeln, die sanfte Morgensonne auf dem Panzer spüren, die Geräusche der Nacht, der Blick hinauf zu den Sternen, der Geruch von moderigem Laub und frischer Erde… all das ist eine Freude für den Käfer, die er zu genießen weiß.