Aus dem Leben einer indischen Kuh

Die Kuh erhebt sich von ihrem Platz. Sie macht sich auf den Weg durch eine Welt, deren Grenzen sie nicht kennt, über die sie sich aber auch keine Gedanken macht. Was anderswo ist, interessiert sie nicht. Sie führt ein genügsames Leben frei von Stress und Sorgen. In ihrer Energie ist viel Raum und Weite, sie ist erfüllt von Ruhe, Lebenskraft, Vertrauen und Beständigkeit.

 

Abwechslung und Abenteuer braucht sie nicht. Gemächlichkeit ist ihr Naturell. Behäbig bewegt sie sich durch die staubigen Straßen eines kleinen Küstenortes. Auf der Straße ist das Treiben bunt, abseits der Straßen ist die Vegetation karg für sie. Futter in Hülle und Fülle gibt es nicht, doch irgendwie ist immer genug da. Die Kuh streift umher mit einer Selbstverständlichkeit, ziellos und doch geführt, und mit einem hungrigen Bauch, der jedoch mit Sorglosigkeit gepaart ist. Ihre Sorgenfreiheit ist vollkommen, denn für sie ist alles einfach wie es ist und sie vermag ihre Welt als gegeben anzunehmen. Sie wandert durch diese Welt, tut was ansteht. Sie fühlt sich behütet und geschützt vom Leben.

 

Sie liebt es, sich bei Anbruch des Tages oder der Nacht am Ufer aufzuhalten. Sie kennt die Gegensätze der Ruhe am Ufer und dem geschäftigen Treiben der Menschen in den Dörfern und Städten. Umso mehr Menschen zusammenkommen, umso lauter und aufgeregter wird es. In den Städten verliert die Welt an Zauber.

 

Deshalb zieht sie sich wieder zurück. In der Natur fühlt sie die tiefe Verbundenheit mit allem, die große Ruhe. Hier kann sie die Schwingungen der Erde und des Himmels wahrnehmen, darin versinken und auftanken. Und manches Mal wirkt es dann, als schüttele sie überwältigt lächelnd den Kopf.