Aus dem Leben eines Fischs

 

Der kleine Fisch ist ganz aufgeregt und schnellt im Wasser umher. Er kann es kaum glauben, dass wir mit ihm sprechen möchten. Er überschlägt sich förmlich vor Freude, dass er Menschen nun auf diese Weise begegnen darf, ist neugierig auf unser Leben und möchte uns am liebsten gleich seinen Lebensraum zeigen. Er schwimmt stolz umher und zeigt uns, wie toll alles ist, die Freifläche zum umherschwimmen, die bewachsenen Ufer- und Flachwasserzonen mit viel Wurzelwerk unter Wasser und eine Höhle zum verstecken.

 

Wir sind ein großer Schwarm, das ist toll, das gibt große Sicherheit. Wir sind ein sehr intelligenter Schwarm und perfekt aufeinander abgestimmt. So droht uns kaum Gefahr. Wir wissen, wann wir uns verstecken müssen und wir haben genügend gute Verstecke. Er zeigt uns, wie die Fischgemeinschaft in verschiedene Richtungen flüchtet, um einen vermeintlichen Angreifer zu verwirren. Dadurch gewinnen sie Zeit, weil der Feind sich entscheiden muss, wem er folgt. Das Auseinandertreiben ist der natürliche Schutzinstinkt, sie sind dann jedoch sehr wohl in der Lage, die Situation nochmals neu einzuschätzen.

Ist der Teich nicht toll?! Er ist sehr glücklich mit seinem Lebensraum und stolz, dass er hier leben darf.

 

Wie verbringst du deine Tage und Nächte?

Das Leben folgt einem Rhythmus und wir folgen dem Leben. Ich liebe es, wenn das Mondlicht ins Wasser scheint. Und genauso schön ist es, an einem sonnigen Tag im weichen, warmen Wasser zu schwimmen. In der Kälte des Winters sind wir ruhig ganz unten im Teich. Ich unterscheide nicht zwischen Tag und Nacht, Winter und Sommer. Es ist alles eins. Die Zeit vergeht und was ist, das ist. 

 

Er zeigt uns, wie er sich treiben lässt, frisst und danach gerne schläft. Er liebt es, vor sich hinzutreiben. Ist es oben heller, hält er sich auch gerne an der Wasseroberfläche auf. Dann hört man gedämpft die Geräusche von außen, das findet er schön. Zeit spielt keine Rolle. Er ist auch gerne mal ganz unten am Grund und gründelt da vor sich hin. Wenn er müde ist, sucht er Schutz zwischen Pflanzen, egal ob Tag oder Nacht. Unten ist es dunkler und er ist sicher vor Vögeln oder anderen Gefahren oberhalb der Wasseroberfläche. Er hat Glück, dass er unter Wasser keiner Gefahr ausgesetzt ist und dort keine Feinde kennt.

Ich mag die Abwechslung. Ich mag es auch, wenn die Menschen an den Teich kommen oder ein Hund mit uns schwimmt. Es ist schön, wenn was los ist. Das unterbricht den normalen Rhythmus. Es ist, als würden wir kurz aus der Zeit hüpfen. Ein Zeitfenster, einfach, weil etwas anders ist. Wir schwimmen, essen, pflegen unsere Freundschaften und dann passiert etwas, das nicht zum normalen Ablauf gehört. Darauf müssen wir als Einzelne und als Schwarm reagieren. Und das hält uns geistig fit, trainiert unsere Intelligenz. Wir sind ein mutiger, interessierter, aufgeweckter und kluger Schwarm. Wir beobachten gern, was draußen passiert. So sind wir geistig wach und gewappnet, wenn Gefahr droht. Ich lebe gern in meinem Schwarm, es ist ein wirklich toller Schwarm.

 

Was magst du besonders?

Die Gemeinschaft mit anderen Fischen ist das Wichtigste für ihn. Es ist nicht so, dass sie unentwegt zusammen sind. Dennoch spüren sie die Anwesenheit der anderen und fühlen sich stark und nicht alleine. Das macht die Welt bunter und schöner, gemeinsam nebeneinander hertreiben ist das Schönste für ihn. Es gibt weder Zeit noch Raum, ihm geht es gut. Er kann seinen Bedürfnissen nachgehen, wie er es gerade möchte. Es gibt keine Zeiten, in denen er essen oder schlafen muss. Das ist die größte Freiheit, die er sich Die Gemeinschaft mit anderen Fischen ist das Wichtigste für ihn. Es ist nicht so, dass sie unentwegt zusammen sind. Dennoch spüren sie die Anwesenheit der anderen und fühlen sich stark und nicht alleine. Das macht die Welt bunter und schöner, gemeinsam nebeneinander hertreiben ist das Schönste für ihn. Es gibt weder Zeit noch Raum, ihm geht es gut. Er kann seinen Bedürfnissen nachgehen, wie er es gerade möchte. Es gibt keine Zeiten, in denen er essen oder schlafen muss. Das ist die größte Freiheit, die er sich vorstellen kann.

Unter Wasser ist alles gedämpft und ruhig. Das Treiben lassen und die Ruhe genießt er. Das Wasser schützt ihn, er liebt dieses schwerelose Gefühl. Und dann schwimmt immer mal wieder ein Leckerbissen vors Maul, er muss sich um nichts kümmern, kann einfach nur sein. Er lässt sich treiben und lebt einfach nur. Er verspürt eine tiefe Zufriedenheit mit dem Leben.

Er liebt den Sonnenschein genauso wie Regen und Gewitter. Ich mag die Sonnenstrahlen. Der Regen ist auch schön, aber die Sonnenstrahlen sind das Schönste für mich. Wie sie unter Wasser aussehen, wenn sie durch die Wasseroberfläche in den Teich fallen, das ist wunderschön, daran kann ich mich nicht sattsehen. Sie erwärmen den Teich. Und wenn ich ganz dicht unter der Wasseroberfläche schwimme, kann ich sie erhaschen, dann fallen sie auch auf mich. Sonnenstrahlen sind wunderschön. Bei Regen ist es draußen ruhiger, oben und unten ist gleich, das gefällt ihm sehr. Er kann auftauchen und bekommt Wasser in sein Gesicht. Bei Gewitter hat er oben keine Angst. Ist der Teich zugefroren, ist er zwar sicher, aber das langweilt ihn auch. Er erfreut sich doch auch an dem Leben ausserhalb. Wenn er knapp unterhalb der Wasseroberfläche schwimmt, bekommt er viel mehr mit als wir denken

 

 

Gibt es etwas das du nicht magst?

Was sollte ich denn nicht mögen? Der kleine Fisch versteht die Frage nicht.

 

Wovor fürchtest du dich?

Der Fisch empfindet die Welt außerhalb des Teichs als gefährlich. Er steckt auch mal den Kopf aus dem Wasser heraus, aber draußen ist es ihm zu laut und durcheinander. Am meisten fürchtet er sich vor Vögeln, er zeigt uns, wie ein spitzer Schnabel ins Wasser taucht, einen Fisch fängt und aus dem Wasser reißt. Der Schatten des großen Vogels über dem Teich, der macht mir Angst. Wir alle wissen, dass wir uns schnell verstecken müssen, wenn er auftaucht. Wir spüren, wenn er kommt. Es ist, als flöge sein Schatten dem Vogel voraus. Aber wir wissen nicht so genau, ob er wirklich weg ist. Wenn wir ihn nicht mehr sehen und spüren heißt das nicht, dass er nicht mehr da ist. Vielleicht ist er noch in der Nähe des Teichs und lauert darauf, dass wir aus unserem Versteck wieder hervorkommen. Aus dem Versteck herauszukommen ist das größte Risiko. Ich ängstige mich davor, geschnappt zu werden. Und ich ängstige mich davor, dass ein anderer geschnappt wird und uns dann fehlt.

 

Er fürchtet sich auch vor Dingen, die ins Wasser geworfen werden, auch wenn es nur kleine Steinchen sind. Für ihn bedeuten sie eine potenzielle Gefahr. Er kann es nicht verstehen, wie Menschen einfach so Dinge in seinen Lebensraum hineinwerfen könne. Wir sollten uns vor Augen führen, dass unter der Wasseroberfläche auch Leben ist. Achtlos ins Wasser geworfener Dreck und Steine können die Tiere unter Wasser treffen, erschrecken. Sie stören die Ruhe, die unter Wasser so paradiesisch ist.

 

Was ist dir wichtig im Leben?

Dass wir so viel Platz haben in unserem Teich, wir können umherschwimmen, uns ausruhen und verstecken. Und Futter. Wir brauchen die Menschen für Futter. Sie werfen Futter in den Teich. Ohne sie könnten wir nicht überleben. Es ist wichtig, dass die Menschen bleiben und uns Futter hineinwerfen, sehr wichtig. Nur wenn es genug für alle gibt, können wir als Schwarm bestehen. Und als Schwarm zu bestehen ist das Wichtigste. Der Schwarm ist alles.

Die anderen Fische, der Schwarm, sind das Wichtigste für mich. Ein Schwarm ist ein großes Gebilde, das zusammenhängt. Er zeigt uns eine Matrix, in der jeder mit jedem in Verbindung steht. Jeder Einzelne ist wichtig, weil jeder Teil des Ganzen ist. Und das Gefüge ist nur so stark und intelligent wie die Summe seiner Teile. Wenn ein Fisch fehlt, wird das Gefüge geschwächt und ein oder mehrere andere müssen das kompensieren, doch das ist nicht so gut. Wir sind alle wichtig und bedacht darauf, keinen zu verlieren. Gemeinsam sind wir stark. Fehlt nur einer, sind wir alle geschwächt. Wir lieben uns, das hält uns zusammen. Jeder von uns hat seine Freunde, aber wir sind alle ein Schwarm. Freundschaft ist Sympathie, Schwarmsein ist Liebe.

Wir fragen nach: Was bedeutet für dich Liebe? Seine Antwort lautet: Tiefe Verbundenheit mit dem Sein. 

Und er fragt seinerseits: Wieso? Was ist Liebe denn für euch? Wir zeigen ihm, wie wir Menschen sind und leben. Er empfindet ein Gefühl ohnmächtigen Abgetrenntseins. 

Oh, oh, oh, das ist kein guter Weg für euch Menschen. Der Schwarm gibt Verbundenheit und Tiefe. Das hätte ich nicht gedacht, dass ihr so lebt...

 

Hast du eine Botschaft für uns Menschen?

Ich verstehe nicht, wie ihr nicht als Schwarm leben könnt. Wie seid ihr mit allem verbunden, wenn ihr nicht miteinander verbunden seid? Das ist unmöglich. Wenn ihr voneinander getrennt seid in eurem Sein, dann seid ihr vom großen Ganzen getrennt. Und dann fehlt euch die Liebe. Das ist sehr traurig und betrübt mich. Ich hatte euch für Götter gehalten, weil ihr draußen lebt und weil ihr für uns sorgt. Doch wie könnt ihr leben ohne diese Liebe zu allem? Diese Liebe ist ein Lebenselixier, sie ist still und fließt konstant und ist immer da. Sie entsteht durch tiefe erbundenheit mit allem, was ist. Zugang zu dieser Liebe ist der Schwarm, die Verbundenheit miteinander. Es wundert mich nicht, dass ihr zerstört ohne diese Verbundenheit. Ihr seid allein und hilflos und müsst immerzu ums Überleben kämpfen, wenn ihr keinen Schwarm habt, der für euch da ist und für den ihr da seid. Ich kann es mir nicht vorstellen, so zu leben.

 

Dennoch ist er unglaublich froh über dieses Gespräch. Von Fischen können die Menschen eigentlich viel lernen. Die Lebensweise anderer kann sehr lehrreich sein. Die wenigsten Menschen sehen mich. Es gibt Menschen, die mich wahrnehmen und achten, mir Futter ins Wasser werfen und mich ansehen. Aber es kommen auch Menschen an den Teich, die ich noch nicht kenne: diese nehmen uns nicht wahr als Lebewesen, sondern mehr als Dinge, die eben in einen Teich gehören. Sie schauen nicht richtig hin. Wir Fische bedeuten ihnen nichts, weil wir augenscheinlich nichts zu bieten haben. Das ist schade. Umso schöner ist es, dass es doch einige Menschen gibt, die die Schönheit und Weisheit der Fische erfassen können.